ADHS Überblick
Auch bekannt als: ADHD, ADHS, attention deficit hyperactivity disorder, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
Inhaltsverzeichnis 5 Abschnitte
ADHS – Überblick
Subtypen
- ADHS-PH: Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ
- ADHS-U: Vorwiegend unaufmerksamer Typ
- ADHS-K: Kombinierter Typ
Kernhirnareale
Mehrere Hirnareale sind bei ADHS systematisch strukturell und/oder funktionell verändert. Neuroimaging-Metaanalysen (insbesondere das ENIGMA-ADHD-Konsortium) liefern robuste Evidenz für folgende Kernbefunde:
| Hirnareal | Befund bei ADHS | Klinische Relevanz |
|---|---|---|
| Präfrontaler Kortex (PFC) | Hypoaktivität, reduziertes Volumen (bes. DLPFC) | Exekutivfunktionen, Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis |
| Striatum / Basalganglien | Volumenreduktion, Hypoaktivierung bei Belohnungsanreiz | Belohnungsverarbeitung, Habit-Lernen, Motorik |
| Anteriorer Cingulärer Kortex (ACC) | Reduzierte ERN-Amplitude, Hypoaktivierung | Fehlerüberwachung, Konfliktdetektion, Impulskontrolle |
| Default Mode Network (DMN) | Fehlende Suppression bei kognitiven Aufgaben | Mind Wandering, Inattention, Tagträumen |
| Nucleus Accumbens | Hypoaktivierung bei Belohnungsantizipation | Motivation, Prokrastination |
| Amygdala | Erhöhte Reaktivität, reduzierte PFC-Kopplung | Emotionsdysregulation, RSD |
| Hippocampus | Volumenreduktion (bes. linksseitig) | Episodisches Gedächtnis, kontextuelles Lernen |
| Kleinhirn (Cerebellum) | Volumetrische Veränderungen in Studien berichtet | Timing, motorische Koordination, kognitive Regulierung |
Detaillierte Informationen zu den einzelnen Arealen finden sich in den jeweiligen Einträgen der Wissensdatenbank.
📋 Überblick-Paper werden aktuell angefordert. Metaanalytische PMID-Belege zu Hirnareal-Veränderungen bei ADHS werden in den nächsten Tagen ergänzt.
Epidemiologie
- Prävalenz: ADHS gilt weltweit als eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters mit einer Prävalenz von ca. 5–7 % bei Kindern und 2–5 % bei Erwachsenen.
- Persistenz: Bei ca. 60–70 % der Betroffenen persistieren klinisch relevante Symptome ins Erwachsenenalter, wenn auch mit veränderter Symptomkonstellation (weniger Hyperaktivität, mehr Inattention und innere Unruhe).
- Unterdiagnose bei Frauen: Mädchen und Frauen mit ADHS werden deutlich seltener diagnostiziert – teilweise weil sie häufiger den unaufmerksamen Subtyp zeigen (weniger auffällig) und häufiger kompensierende Strategien entwickeln.
- Komorbidität: 60–80 % der ADHS-Betroffenen haben mindestens eine psychiatrische Komorbidität: am häufigsten Angststörungen, Depression, Lernschwierigkeiten, Schlafstörungen und Suchterkrankungen.
Genetik
ADHS ist eine der hereditärsten psychiatrischen Erkrankungen:
- Heritabilität: Zwillingsstudien schätzen die Heritabilität auf ca. 70–80 % – vergleichbar mit Schizophrenie oder bipolarer Störung.
- Polygenetisch: Kein einzelnes “ADHS-Gen” existiert. Stattdessen tragen viele genetische Varianten mit kleinen Einzeleffekten zur Gesamtdisposition bei.
- Assoziierte Gene (Auswahl):
- DRD4 (Dopaminrezeptor D4, 7-Repeat-Allel): Reduzierte DA-Sensitivität
- DRD5 (Dopaminrezeptor D5): Assoziiert mit ADHS in Metaanalysen
- DAT1 / SLC6A3: Dopamintransporter-Gen; 10-Repeat-Allel mit ADHS assoziiert
- COMT (Catechol-O-Methyltransferase): Abbau von DA im PFC
- SNAP25: Synaptisches Vesikelprotein; beeinflusst Neurotransmitter-Freisetzung
- ADRA2A (α2A-Adrenozeptor): Stärker mit unaufmerksamem Typ assoziiert
- Gen-Umwelt-Interaktionen: Genetische Disposition allein erklärt ADHS nicht vollständig. Frühgeburtlichkeit, pränatale Alkohol- oder Nikotinexposition, Frühkindheitsstress und Umweltgifte (Blei, Pestizide) erhöhen das Risiko zusätzlich.
- Genomweite Assoziationsstudien (GWAS): Aktuelle Großanalysen (z. B. Demontis et al.) identifizieren gemeinsame genetische Grundlagen zwischen ADHS und anderen psychiatrischen Störungen (Depression, Autismus-Spektrum-Störung, Schizophrenie).
📋 Genetik-Paper werden aktuell recherchiert. PMID-belegte Befunde zu GWAS, Candidate-Gene-Studien und Gen-Umwelt-Interaktionen bei ADHS werden in den nächsten Tagen ergänzt.
Offene Fragen
- Exakte neurobiologische Ursache
- Unterdiagnose bei Frauen
- ADHS im Erwachsenenalter
Offene Forschungsfragen (3)
- ·Exakte neurobiologische Ursache (Henne-Ei-Problem bei Bildgebungsstudien)
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