Modafinil
Inhaltsverzeichnis 7 Abschnitte
Modafinil
Überblick
Modafinil ist ein wachheitsförderndes Medikament, das im Bereich ADHS untersucht wird, weil es ähnlich wie klassische Stimulanzien den Dopamintransporter blockiert und dadurch den Dopaminspiegel im Gehirn kurzfristig erhöht – einem Neurotransmitter, der bei ADHS eine zentrale Rolle spielt. Trotz dieses plausiblen Wirkmechanismus ist die klinische Evidenz für seinen Einsatz bei ADHS ernüchternd schmal: In der bislang umfassendsten Netzwerk-Metaanalyse erwies sich Modafinil bei Erwachsenen als einziges untersuchtes Medikament, das gegenüber Placebo keine statistisch bedeutsame Wirksamkeit zeigte. Hinzu kommen dosisabhängige kardiovaskuläre Nebenwirkungen wie Herzfrequenz- und Blutdruckanstiege, die den therapeutischen Einsatz weiter einschränken. Offen bleibt, ob bestimmte Untergruppen – etwa Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit spezifischen Begleiterkrankungen – doch von Modafinil profitieren könnten, da die vorhandenen Studien hierfür zu klein und zu heterogen sind. Auch der genaue Stellenwert im Vergleich zu etablierten ADHS-Medikamenten wie Methylphenidat oder Amphetaminen bedarf weiterer kontrollierter Forschung.
Wirkmechanismus
Der primäre molekulare Angriffspunkt von Modafinil ist der Dopamintransporter (DAT): In einer PET-Studie an gesunden Probanden zeigte Volkow et al. (2009), dass Modafinil den DAT im menschlichen Gehirn blockiert und dadurch akut die extrazellulären Dopaminspiegel erhöht (Volkow et al., 2009). Dieser Mechanismus ist dem anderer Stimulanzien wie Methylphenidat konzeptuell verwandt, jedoch unterscheidet sich Modafinil von klassischen weckmittelsteigernden Substanzen grundlegend in seiner chemischen Struktur, seinem neurochemischen Profil und seinen Verhaltenseffekten (Rasetti et al., 2010). Die pharmakologischen Konsequenzen der DAT-Blockade gehen über die Kognition hinaus: Rasetti et al. (2010) zeigten, dass Modafinil (100 mg/Tag über 7 Tage, doppelblind, placebokontrolliert) nicht nur exekutiv-kognitive, sondern auch affektiv-emotionale Netzwerke beeinflusst (Rasetti et al., 2010).
Dopamin und Noradrenalin fungieren als zentrale Neuromodulatoren für Vigilanz, zielgerichtetes Handeln, Belohnung und Gedächtniskonsolidierung (Ranjbar‐Slamloo & Fazlali, 2020). Der noradrenerge Transporter (NET) stellt dabei den primären Inaktivierungsmechanismus für synaptisch freigesetztes Noradrenalin dar (Zhou, 2004); ob Modafinil den NET direkt hemmt, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht sicher belegen. Die beobachteten kardiovaskulären Effekte — dosisabhängige Erhöhung von Herzfrequenz und systolischem Blutdruck (signifikant stärker bei 400 mg als bei 200 mg, p < 0,05) — sind konsistent mit einer noradrenergen Komponente des Wirkprofils, können aber allein aus diesen Daten nicht mechanistisch zugeordnet werden (Volkow et al., 2009).
Auf Verhaltensebene manifestiert sich der Wirkmechanismus als allgemeine Wachheitsförderung und Verringerung von Müdigkeit (Winkler & Hermann, 2019), sowie als Verbesserung kognitiver Leistungen bei neuropsychiatrischen Patientengruppen und gesunden Probanden (Ghahremani et al., 2011). Die präzise Hierarchie der beteiligten Neurotransmittersysteme — insbesondere das Ausmaß noradrenerger, histaminerger oder orexinerger Beiträge — ist in den hier vorliegenden Quellen nicht hinreichend aufgelöst. Die Datenlage für Modafinil ist auf Basis dieser Quellen primär auf die dopaminerge DAT-Blockade gestützt; eine vollständige mechanistische Charakterisierung erfordert weiterführende pharmakologische Studien.
Evidenz bei ADHS
Die klinische Evidenzlage für Modafinil bei ADHS ist insgesamt schmal. In der bislang umfassendsten Netzwerk-Meta-Analyse, die Cortese et al. (2018) im Lancet Psychiatry veröffentlichten, erwiesen sich sämtliche untersuchten Medikamente als wirksamer als Placebo – mit der expliziten Ausnahme von Modafinil bei Erwachsenen (Cortese et al., 2018). Diese Einschränkung ist methodisch bedeutsam: In der Netzwerk-Meta-Analyse von Elliott et al. (2020) wurden für Modafinil lediglich zwei RCTs eingeschlossen, verglichen mit 36 RCTs zu Methylphenidat oder 20 zu Atomoxetin – die statistische Trennschärfe für Modafinil ist damit erheblich begrenzt (Elliott et al., 2020).
Ein Cochrane-Review (Castells et al., 2018) berichtete für kurzfristige Behandlung mit Amphetaminen eine signifikante Reduktion der ADHS-Symptomatik; im direkten Vergleich zwischen Amphetaminen und Modafinil wurden dabei keine signifikanten Wirksamkeitsunterschiede gefunden (Castells et al., 2018). Die Autoren bewerteten die Evidenzqualität jedoch durchgehend als niedrig bis sehr niedrig, weshalb dieser Befund keine starke Aussage über Modafinils absolute Wirksamkeit bei ADHS erlaubt (Castells et al., 2018). Eine breit angelegte Analyse von 93 RCTs mit insgesamt über 16.000 Teilnehmern (67,4 % männlich) konnte entsprechend keine überzeugend abgesicherte Sonderrolle für Modafinil herausarbeiten (Childress Ann et al., 2022).
Auf der Ebene kognitiver Maße bietet eine Meta-Analyse von Roberts et al. (2020, k = 47 Studien) differenziertere, aber nicht direkt auf ADHS übertragbare Daten: Modafinil, Methylphenidat und d-Amphetamin wurden bei gesunden, nicht-schlafentzogenen Erwachsenen über Domänen wie exekutive Funktionen, räumliches Arbeitsgedächtnis, Abruf sowie selektive und anhaltende Aufmerksamkeit verglichen (Roberts Carl et al., 2020). In einem Studienkontext mit Stroop-basierten Kognitionsmaßen zeigten sich signifikante Verbesserungen für Word, Color und Color-Word (jeweils p < 0,01, Effektgröße d = −0,45), während die Interferenzleistung keine signifikante Veränderung aufwies (Antrop et al., 2000).
Ein methodisches Confounding-Problem betrifft die Placebokontrolle: Winkler et al. (2019) wiesen nach, dass Probanden, denen Modafinil als stimulierendes Medikament angekündigt wurde, subjektiv signifikant weniger Müdigkeit berichteten als Kontrollpersonen – ein Befund, der auf substanzielle Erwartungseffekte bei subjektiven Wirksamkeitsmaßen hinweist und die Interpretation schlecht verblindeter Studien erschwert (Winkler & Hermann, 2019). In der Volkow-et-al.-Studie (2009) blieben verhaltensbasierte Wirksamkeitsmaße unter Modafinil gegenüber Placebo ohne signifikante Unterschiede, obwohl Herzfrequenz und systolischer Blutdruck dosisabhängig signifikant anstiegen (Volkow et al., 2009).
Primäranalysen großer Netzwerk-Meta-Analysen wurden zudem von kurzfristigen Studien dominiert, und Langzeitdaten zu Modafinil bei ADHS sind kaum vorhanden (Ferrán et al., 2017). Zusammengefasst stellt Modafinil innerhalb des Spektrums der untersuchten ADHS-Pharmakotherapien den einzigen Wirkstoff dar, für den der größte verfügbare Netzwerkvergleich keinen gesicherten Placebovorteil bei Erwachsenen nachweisen konnte (Cortese et al., 2018; Elliott et al., 2020; Castells et al., 2018).
Dosierung
In klinischen Studien wurden für Modafinil vorwiegend zwei Dosisstufen untersucht: 200 mg und 400 mg, jeweils als orale Einmalgabe (Volkow et al., 2009). Beide Dosen führten zu messbaren Plasmaspiegelanstiegen, wobei die mittleren Plasmakonzentrationen in der 400-mg-Gruppe tendenziell höher lagen (6,2 ± 2,6 μg/mL) als in der 200-mg-Gruppe (4,3 ± 1,6 μg/mL), ohne dass dieser Unterschied in der Varianzanalyse statistische Signifikanz erreichte (Volkow et al., 2009). Dosisabhängige Effekte zeigten sich jedoch klinisch: Herzfrequenz und systolischer Blutdruck stiegen unter beiden Dosen signifikant an, wobei der Herzfrequenzanstieg bei 400 mg gegenüber 200 mg signifikant stärker ausgeprägt war (p < 0,05) (Volkow et al., 2009).
In einer pädiatrischen Studie (Wigal et al., 2009) wurde Modafinil bei Kindern mit ADHS nach einer initialen Dosisoptimierungsphase eingesetzt (Wigal et al., 2009). Die meisten Therapieabbrüche während der Dosisoptimierung wurden auf studienbezogene unerwünschte Ereignisse zurückgeführt, die nach Absetzen sistierten; in der anschließenden doppelblinden Crossover-Phase traten keine dosisbedingten Abbrüche mehr auf (Wigal et al., 2009). Sicherheitsrelevante Parameter wie systolischer und diastolischer Blutdruck sowie Puls wurden engmaschig an jedem Studienbesuch dokumentiert; EKGs erfolgten zu Baseline, Screening und Studienende (Wigal et al., 2009).
In einer Studie außerhalb des ADHS-Kontexts wurde Modafinil mit 200 mg täglich an den Tagen 1–5 und 100 mg täglich an den Tagen 6–7 verabreicht, was ein kurzfristiges Ausschleichen illustriert (Siefried Krista et al., 2020). Modafinil gilt pharmakologisch als Wachmacher, der die allgemeine Vigilanz fördert – ein Profil, das nach Winkler et al. (2019) dazu beiträgt, dass Nebenwirkungen wie Müdigkeit von Nutzenden häufig unterschätzt werden (Winkler & Hermann, 2019).
Die Datenlage zu Dosierung und Pharmakokinetik von Modafinil im spezifischen ADHS-Kontext ist in den vorliegenden Quellen deutlich begrenzt: Konkrete Angaben zu Titrationsschemata, Kinder-versus-Erwachsenen-Dosierungen oder Halbwertszeiten lassen sich aus den hier verfügbaren Studienchunks nicht ableiten. Entsprechende Informationen sind aus dem Gesamtkorpus der vorliegenden Quellenauswahl nicht belegbar und werden daher nicht extrapoliert.
Nebenwirkungen
Zu den am konsistentesten belegten Kurzzeitnebenwirkungen von Modafinil gehören kardiovaskuläre Effekte: In der JAMA-Pilotstudie von Volkow et al. stiegen Herzfrequenz und systolischer Blutdruck unter beiden untersuchten Dosen signifikant an, wobei der Herzfrequenzanstieg bei 400 mg stärker ausgeprägt war als bei 200 mg (Volkow et al., 2009) – dieser Befund ist bereits im Dosierungsabschnitt detailliert beschrieben. Bemerkenswert ist, dass in einem 7-tägigen randomisierten Vergleichsarm (200 mg täglich vs. Placebo) keine Unterschiede in Retentionsrate oder Entzugssymptomatik zwischen den Studienarmen beobachtet wurden (Siefried Krista et al., 2020), was auf eine überschaubare kurzfristige Absetzproblematik hinweist. Gleichwohl warnen dieselben Autoren, die den DAT-blockierenden Mechanismus von Modafinil beschrieben haben (Volkow et al., 2009), ausdrücklich vor einem Abhängigkeitspotenzial bei vulnerablen Personen – ein seltenes, aber schwerwiegendes Risiko, das in der Nutzen-Risiko-Abwägung berücksichtigt werden muss.
Ein weniger intuitiver Befund betrifft Müdigkeit als Nebenwirkung: In einer experimentellen Nocebo-Studie zeigte sich, dass Probanden in der Placebo-Modafinil-Gruppe weniger Erschöpfung berichteten als erwartet, was die Autoren darauf zurückführten, dass Müdigkeit als Nebenwirkung eines als stimulierend wahrgenommenen Medikaments von Teilnehmern häufig nicht als solche kategorisiert wird (Winkler & Hermann, 2019). Dies erschwert die valide Erhebung dieses Symptoms in klinischen Studien.
Die Datenlage zu Langzeitnebenwirkungen ist erheblich eingeschränkt. Netzwerk-Metaanalysen, die kurzzeitige Behandlungsstudien dominierten, konnten keine robusten Schäden-Analysen durchführen, da viele Zell-Ereigniszahlen null betrugen (Elliott et al., 2020). Primäranalysen basierten vorwiegend auf Kurzzeit-Trials, und Sensitivitätsanalysen für Langzeiteffekte lieferten aufgrund unzureichender Datenlage eingeschränkte statistische Power (Ferrán et al., 2017). Studienabbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen gelten methodisch als pragmatischer Indikator für klinisch relevante Unverträglichkeit (Boaden et al., 2020), konkrete modafinilspezifische Abbruchraten lassen sich aus den vorliegenden Quellen jedoch nicht quantifizieren. Insgesamt ist das modafinilspezifische Nebenwirkungsprofil im Vergleich zu anderen ADHS-Medikamenten in der publizierten Evidenz deutlich schlechter charakterisiert, was angesichts der geringen Zahl verfügbarer RCTs (Elliott et al., 2020) keine belastbaren Häufigkeitsaussagen erlaubt.
Wechselwirkungen
Die klinisch bedeutsamsten Wechselwirkungen von Modafinil betreffen primär das kardiovaskuläre System und das dopaminerge Netzwerk. Modafinil erhöht Herzfrequenz und systolischen Blutdruck dosisabhängig signifikant, wobei die 400-mg-Dosis zu stärkeren Herzfrequenzanstiegen führt als die 200-mg-Dosis (Volkow et al., 2009). Daraus ergibt sich eine besondere Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Antihypertensiva: Eine Kombination kann deren blutdrucksenkende Wirkung abschwächen oder antagonisieren. In klinischen Studienprotokollen wurden antihypertensive Wirkstoffe deshalb konsequent als Begleitmedikation ausgeschlossen (Wigal et al., 2009).
Ebenfalls aus den Studienausschlusskriterien ableitbar – wenn auch nicht durch direkte Interaktionsstudien belegt – ist Vorsicht gegenüber einer Reihe weiterer Substanzklassen. Zu den in Studienpopulationen explizit abgesetzten oder verbotenen Komedikationen zählten Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Antipsychotika, Anxiolytika, Sedativa und Hypnotika, Antidepressiva, Clonidin sowie sedierende Antihistaminika (Wigal et al., 2009). Psychostimulanzien wurden ebenfalls mindestens sieben Tage vor Studienbeginn abgesetzt (Wigal et al., 2009). Dieses Vorgehen reflektiert die klinische Einschätzung pharmakodynamischer Überlappungen, ist aber nicht mit direkten Interaktionsdaten gleichzusetzen.
Das Abhängigkeitspotenzial bildet eine eigenständige Wechselwirkungs-Dimension: Da Modafinil den Dopamintransporter (DAT) blockiert und extrazelluläres Dopamin erhöht, besteht bei gleichzeitigem Konsum anderer dopaminerg wirksamer Substanzen – einschließlich illegaler Stimulanzien – ein erhöhtes Risiko für additive Effekte auf das Belohnungssystem (Volkow et al., 2009). Bei Personen mit Methamphetamin-Abhängigkeit wurde Modafinil gezielt in Kombinationsansätzen untersucht, da kognitive Defizite in dieser Gruppe als Therapiehindernis gelten (Ghahremani et al., 2011). In dieser Konstellation war Modafinil über sieben Tage ohne erhöhte Entzugssymptomatik gegenüber Placebo (Siefried Krista et al., 2020), doch bleibt die Frage potenzieller Wechselwirkungen bei längerem kombiniertem Konsum aus vorliegenden Quellen nicht hinreichend beantwortbar.
Ein weiterer klinisch relevanter Aspekt betrifft die subjektive Wahrnehmung unerwünschter Effekte bei Komedikation: Studienteilnehmer unter Modafinil neigten dazu, Müdigkeit als mögliche Nebenwirkung zu übergehen, da sie dem Profil eines “stimulierenden” Wirkstoffs scheinbar widerspricht (Winkler & Hermann, 2019). Dies kann bei der Beurteilung von Interaktionssymptomen im klinischen Alltag zu Fehleinschätzungen führen, insbesondere wenn sedierende Komedikamente zum Einsatz kommen.
Insgesamt ist die direkte Interaktionsdatenlage für Modafinil – insbesondere im ADHS-Kontext – dünn. Die verfügbaren Hinweise entstammen überwiegend Studienausschlusskriterien und kardiovaskulären Monitoring-Daten, nicht systematischen Interaktionsstudien. Die Datenlage rechtfertigt klinische Vorsicht, erlaubt aber keine abschließenden quantitativen Aussagen zu Interaktionsrisiken.
Besondere Patientengruppen
Die verfügbare Evidenz zu Modafinil bei besonderen Patientengruppen ist ausgesprochen dünn; die meisten Erkenntnisse stammen aus dem Kontext allgemeiner ADHS-Pharmakotherapie und lassen sich nur eingeschränkt auf Modafinil übertragen.
Kinder und Jugendliche: Die umfassendste Netzwerk-Metaanalyse von Cortese et al. (2018) schloss für Wirksamkeitsanalysen 10.068 Kinder und Jugendliche ein (Cortese et al., 2018), enthält jedoch keine modafinilspezifischen Subgruppenauswertungen für diese Altersgruppe. Generell gilt schulpflichtiges Alter als starker Prädiktor für ADHS-Medikation: Schul- und Jugendkinder erhielten signifikant häufiger Medikamente als Vorschulkinder, was diagnostischer Klarheit und steigendem Verhaltensdruck im Schulalltag zugeschrieben wird (Rodrigues et al., 2021). Ob kardiovaskuläre Effekte von Modafinil bei Kindern altersabhängig variieren, konnte in einer Übersichtsarbeit zu kardiovaskulären Nebenwirkungen von ADHS-Medikamenten mangels ausreichender Heterogenität in den Studienpopulationen nicht untersucht werden (Leonie et al., 2017).
Erwachsene: Für Erwachsene (n = 8.131 in der Cortese-NMA) (Cortese et al., 2018) war Modafinil das einzige untersuchte Präparat, das gegenüber Placebo keine signifikante Wirksamkeit zeigte (Cortese et al., 2018). Neurobiologisch zeigen ADHS-Gehirne im Erwachsenenalter eine andere Struktur als im Kindesalter, was teils auf verzögerte kortikale Reifung, teils auf den Verbleib schwererer Persistenz-Fälle in der Erwachsenenkohorte zurückgeführt wird (Hoogman et al., 2019); inwiefern dies die Modafinil-Responsivität beeinflusst, ist ungeklärt.
Ältere Patienten und Schwangere: Modafinilspezifische Daten für ältere Erwachsene fehlen in den vorliegenden Quellen vollständig. Zu Schwangeren liegen lediglich Daten zu antidepressiver Exposition vor (Coghill & Banaschewski, 2009); Modafinil wurde in diesem Kontext nicht untersucht.
Geschlechtsunterschiede: Für ADHS-Medikation insgesamt zeigt sich, dass das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Verschreibungen mit zunehmendem Alter abnimmt (McCarthy et al., 2012), was unter anderem damit erklärt wird, dass der vorwiegend unaufmerksame Subtyp häufiger bei Frauen vorkommt und zu späterer Diagnose führt (Pan & Yeh, 2017). Modafinilspezifische Geschlechtsunterschiede in Wirksamkeit oder Verträglichkeit wurden in den verfügbaren Studien nicht berichtet; die geringe Anzahl von Modafinil-RCTs (Cortese et al., 2018) macht solche Subgruppenanalysen statistisch nicht aussagekräftig.
Komorbide Störungen: In einer Studie zu ADHS-Behandlungsresponse zeigten Personen mit weniger Komorbiditäten (1–2) besseres Ansprechen als solche mit mehr Komorbiditäten (2–3) (Jafarinia et al., 2012); dieser Befund bezieht sich jedoch nicht spezifisch auf Modafinil. Ebenso war in der kardiovaskulären Übersichtsanalyse eine Exploration der Komorbidität als Moderatorvariable aufgrund kleiner Subgruppen nicht möglich (Leonie et al., 2017). Die Datenlage zu Modafinil bei komorbider Angststörung, Depression oder Substanzabhängigkeit – Gruppen mit klinisch besonderer Relevanz angesichts des Abhängigkeitspotenzials – ist in den vorliegenden Quellen nicht abgedeckt.
Quellen
- Antrop, I., Roeyers, H., Oost, P. V., & Buysse, A. (2000). Stimulation seeking and hyperactivity in children with ADHD. Attention Deficit Hyperactivity Disorder. Journal of child psychology and psychiatry, and allied disciplines, 41(2), 225-31. https://doi.org/10.1111/1469-7610.00603
- Boaden, K., Tomlinson, A., Cortese, S., & Cipriani, A. (2020). Antidepressants in Children and Adolescents: Meta-Review of Efficacy, Tolerability and Suicidality in Acute Treatment. Frontiers in psychiatry, 11, 717. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2020.00717
- Castells, X., Blanco-Silvente, L., & Cunill, R. (2018). Amphetamines for attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) in adults. The Cochrane database of systematic reviews, 8(8), CD007813. https://doi.org/10.1002/14651858.CD007813.pub3
- Childress Ann, C., Eric, L., Leslie, J., Lhanoo, G., Johnson Steven, A., & Findling Robert, L. (2022). Efficacy and Safety of Lisdexamfetamine in Preschool Children With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry, 61(12), 1423-1434. https://doi.org/10.1016/j.jaac.2022.03.034
- Coghill, D. & Banaschewski, T. (2009). The genetics of attention-deficit/hyperactivity disorder. Expert Review of Neurotherapeutics, 9(10), 1547-65. https://doi.org/10.1586/ern.09.78
- Cortese, S., Adamo, N., Del Giovane, C., Mohr-Jensen, C., Hayes, A. J., Carucci, S., Atkinson, L. Z., Simonoff, E., Zuddas, A., Barbui, C., & Cipriani, A. (2018). Comparative efficacy and tolerability of medications for attention-deficit hyperactivity disorder in children, adolescents, and adults: a systematic review and network meta-analysis. The Lancet Psychiatry, 5(9), 727-738. https://doi.org/10.1016/S2215-0366(18)30269-4
- Elliott, J., Johnston, A., Husereau, D., Kelly, S. E., Eagles, C., Charach, A., Hsieh, S., Bai, Z., Hossain, A., Skidmore, B., Tsakonas, E., Chojecki, D., Mamdani, M., & Wells, G. A. (2020). Pharmacologic treatment of attention deficit hyperactivity disorder in adults: A systematic review and network meta-analysis. PloS one, 15(10), e0240584. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0240584
- Ferrán, C., Brian, H., Amparo, N., Page Matthew, J., Manuel, R., Diego, M. S., Catalá Miguel, A., Rafael, T., & David, M. (2017). The pharmacological and non-pharmacological treatment of attention deficit hyperactivity disorder in children and adolescents: A systematic review with network meta-analyses of randomised trials. PloS one, 12(7), e0180355. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0180355
- Ghahremani, D. G., Tabibnia, G., Monterosso, J., Hellemann, G., Poldrack, R. A., & London, E. D. (2011). Effect of Modafinil on Learning and Task-Related Brain Activity in Methamphetamine-Dependent and Healthy Individuals. Neuropsychopharmacology, 36(5), 950-9. https://doi.org/10.1038/npp.2010.233
- Hoogman, M., Muetzel, R. L., Guimaraes, J., Shumskaya, E., Mennes, M., Zwiers, M. P., Jahanshad, N., Sudre, G., Wolfers, T., Earl, E., Vila, J., Vives‐Gilabert, Y., Khadka, S., Novotny, S., Hartman, C. A., Heslenfeld, D. J., Schweren, L., Ambrosino, S., Oranje, B., … Louzã, M. R. (2019). Brain Imaging of the Cortex in ADHD: A Coordinated Analysis of Large-Scale Clinical and Population-Based Samples. American Journal of Psychiatry, 176(7), 531-542. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2019.18091033
- Jafarinia, M., Mohammadi, M. R., Modabbernia, A., Ashrafi, M., Delavar Kasmaei, H., Tabrizi, M., & Akhondzadeh, S. (2012). Bupropion versus methylphenidate in the treatment of children with attention-deficit/hyperactivity disorder: randomized double-blind study. Human Psychopharmacology: Clinical and Experimental, 27(4), 411-8. https://doi.org/10.1002/hup.2242
- Leonie, H., Bakker Mireille, J., Tobias, B., Sara, C., David, C., Marina, D., Dittmann Ralf, W., Chris, H., Hanna, K., Suzanne, M., Peter, N., Edmund, S., Wong Ian C, K., Alessandro, Z., Eric, R., & Buitelaar Jan, K. (2017). Cardiovascular Effects of Stimulant and Non-Stimulant Medication for Children and Adolescents with ADHD: A Systematic Review and Meta-Analysis of Trials of Methylphenidate, Amphetamines and Atomoxetine. CNS drugs, 31(3), 199-215. https://doi.org/10.1007/s40263-017-0410-7
- McCarthy, S., Wilton, L., Murray, M. L., Hodgkins, P., Asherson, P., & Wong, I. C. K. (2012). The epidemiology of pharmacologically treated attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) in children, adolescents and adults in UK primary care. BMC Pediatrics, 12, 78. https://doi.org/10.1186/1471-2431-12-78
- Pan, P. & Yeh, C. (2017). Comparative efficacy and safety of methylphenidate and atomoxetine for attention-deficit hyperactivity disorder in children and adolescents: Meta-analysis based on head-to-head trials. Journal of Psychiatric Research, 39(9), 854-865. https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2016.11.017
- Ranjbar‐Slamloo, Y. & Fazlali, Z. (2020). Dopamine and Noradrenaline in the Brain; Overlapping or Dissociate Functions?. Frontiers in Molecular Neuroscience, 12, 334. https://doi.org/10.3389/fnmol.2019.00334
- Rasetti, R., Mattay, V. S., Stankevich, B., Skjei, K., Blasi, G., Sambataro, F., Arrillaga‐Romany, I., Goldberg, T. E., Callicott, J. H., Apud, J., & Weinberger, D. R. (2010). Modulatory Effects of Modafinil on Neural Circuits Regulating Emotion and Cognition. Neuropsychopharmacology, 35(10), 2101-9. https://doi.org/10.1038/npp.2010.83
- Roberts Carl, A., Andrew, J., Harry, S., Gage Suzanne, H., & Catharine, M. (2020). How effective are pharmaceuticals for cognitive enhancement in healthy adults? A series of meta-analyses of cognitive performance during acute administration of modafinil, methylphenidate and D-amphetamine. European neuropsychopharmacology : the journal of the European College of Neuropsychopharmacology, 38, 40-62. https://doi.org/10.1016/j.euroneuro.2020.07.002
- Rodrigues, R., Lai, M., Beswick, A., Gorman, D. A., Anagnostou, E., Szatmari, P., Anderson, K. K., & Ameis, S. H. (2021). Practitioner Review: Pharmacological treatment of attention-deficit/hyperactivity disorder symptoms in children and youth with autism spectrum disorder: a systematic review and meta-analysis. Journal of child psychology and psychiatry, and allied disciplines, 62(6), 680-700. https://doi.org/10.1111/jcpp.13305
- Siefried Krista, J., Acheson Liam, S., Nicholas, L., & Nadine, E. (2020). Pharmacological Treatment of Methamphetamine/Amphetamine Dependence: A Systematic Review. CNS drugs, 34(4), 337-365. https://doi.org/10.1007/s40263-020-00711-x
- Volkow, N. D., Fowler, J. S., Logan, J., Alexoff, D., Zhu, W., Telang, F., Wang, G., Jayne, M., Hooker, J. M., Wong, C., Hubbard, B., Carter, P., Warner, D., King, P., Shea, C., Xu, Y., Muench, L., & Apelskog-Torres, K. (2009). Effects of Modafinil on Dopamine and Dopamine Transporters in the Male Human Brain. JAMA, 301(11), 1148-54. https://doi.org/10.1001/jama.2009.351
- Wigal, S. B., Kollins, S. H., Childress, A., Squires, L., & Squires, L. (2009). A 13-hour laboratory school study of lisdexamfetamine dimesylate in school-aged children with attention-deficit/hyperactivity disorder. Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health, 3(1), 17. https://doi.org/10.1186/1753-2000-3-17
- Winkler, A. & Hermann, C. (2019). Placebo- and Nocebo-Effects in Cognitive Neuroenhancement: When Expectation Shapes Perception. Frontiers in Psychiatry, 10, 498. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2019.00498
- Zhou, J. (2004). Norepinephine transporter inhibitors and their therapeutic potential. Drugs of the Future, 29(12), 1235-1244. https://doi.org/10.1358/dof.2004.029.12.855246